3. Der Taubenwallnister und die moderne Effektivitätsmentalität (Douglas Adams)

Okay, Douglas Adams lässt sich nur über Umwege in die Riege der klassischen Philosophie einordnen. In die „alternative“ Philosophie dürfte er es mit „Per Anhalter durch die Galaxis“ dennoch in jedem Fall geschafft haben, und auch sein weniger bekannter Reisebericht „Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde“ enthält einige sehr bemerkenswerte und tierphilosophisch interessante Aspekte.

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Da ist zunächst der melancholische (Abschieds-)Blick auf jene vom Aussterben bedrohten Tierarten, deren Heimat Douglas Adams und Mark Carwardine besuchen, um ihre Erlebnisse schließlich verewigend in ihrem Reisebericht dokumentieren zu können. Die grundsätzliche Betrübtheit, die sich zwangsläufig aus einer solchen Unternehmung ergibt, wird immer wieder durch den typischen Adams-Humor gebrochen, so auch in einer kurzen Episode, in der er über den Taubenwallnister, aka das „Thermometerhuhn“ berichtet.

„Entscheidend ist, dass sich der Taubenwallnister eine wundervolle Methode zur Arbeitseinsparung ausgedacht hat. Die Arbeit, die er sich einsparen möchte, ist das zeitraubende Auf-dem-Nest-Hocken und Eier-Ausbrüten, während er doch zur gleichen Zeit unterwegs sein und etwas erledigen könnte.“ (54)

Auch wenn Adams und Carwardine selbst keinen Taubenwallnister zu Gesicht bekommen, stoßen sie doch auf eine von dessen arbeitssparenden und kaum zu übersehenden „Erfindungen“:

„Es handelte sich um einen ungefähr 1,80m hohen und am Fuß ebenso breiten kegelförmigen Erdwall aus dichtgepresster Erde und verrottetem Laub. Tatsächlich war der Wall noch wesentlich höher, als er wirkte, weil er selbst in einer wiederum etwa einen Meter tiefen Mulde errichtet worden war.“

Dieser Wall, so Adams, gleicht einem vollautomatisiertem Brutkasten:

„Die durch die chemischen Reaktionen im verrottenden Laub entstehende Hitze hält die tief im Inneren des Walls verbuddelten Eier warm – und nicht bloß einfach warm. Indem der Taubenwallnister das Material wohlüberlegt aufstockt oder reduziert, kann er genau die Temperatur einstellen, die die Eier benötigen, um angemessen vor sich hin zu brüten. Der Taubenwallnister muss also zum Ausbrüten seiner Eier nicht mehr tun, als zweieinhalb Kubikmeter Erde auszuheben, das entstandene Loch mit zweieinhalb Kubikmetern verrottendem Laub zu füllen, weitere viereinhalb Kubikmeter Laub zu sammeln, daraus einen Wall zu bauen und die darin entstehende Hitze anschließend ständig im Auge zu behalten und herumzurennen, um hier ein bisschen was draufzulegen und dort ein bisschen was wegzunehmen. Womit er sich die ganze Mühe erspart, ab und zu auf seinen Eiern zu hocken.“ (54f)

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