Rilkes „Panther“, Foucaults Panoptikum und die Google Bildersuche

Für meinen Deutsch-Grundkurs war ich heute auf der Suche nach sinnvollem Material, um das Metrum in Rilkes ‚Panther‘

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt

auf halbwegs interessantem und nicht allzu bemühtem Wege erarbeiten zu lassen. Dazu gehörte ein kurzer Ausflug in die Welt der Google-Bildersuche, den ich hier nur empfehlen kann: Man kombiniere die Suchbegriffe „Zoo“ und „Langeweile“ – herauskommt ein zwar bedrückendes, aber auch einprägsames Durcheinander von Fotografien zu einer Institution, deren kolonial-machtbesessener Ursprung längst klar gemacht haben sollte, dass es für diesen Orte der Quälerei weder Platz noch Verständnis geben sollte.

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Besonders interessant – oder besser: perfide – sind Zoos, wenn sie die Tiere dem menschlichen Blick in Gänze ausliefern und zum Objekt menschlichen Anstarrens machen – sei es durch Sichschutzfolien, die nur einseitig einsehbar sind, durch Kameras in Brutstätten o.ä. Offenbar trifft das Paradigma der modernen Gefängnisarchitektur, das Michel Foucault in Anlehnung an einen Entwurf von Jeremy Bentham als Inbegriff der biopolitisch-angelegten Großüberwachung untersucht hat, längst nicht nur auf menschliche Gefängnisinsassen zu.

panopticon

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