„Of mice and men“: Die Mausefalle als Wissensobjekt der Mensch-Tier-Beziehung

Dass sich an Mäusen die Geister scheiden, hat mir unlängst meine beste Freundin vor Augen geführt. Der Anblick eines meiner Kindheitshamster (klein, flauschig, Knopfaugen & weitere Klischees) auf einem schon älteren Foto wurde in der ihr eigenen, liebevoll-spontanen Art mit dem Kommentar versehen, was das denn bitte „für ein Monster“ sei. Vielleicht muss man auch nicht so weit gehen, angesichts dieser offenkundigen (und wohl verbreiteten?) Abneigung in das andere Extrem zu verfallen und sich in die Wirklichkeit von Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ versetzt zu wünschen: Hier sind die Mäuse die eigentlichen Strippenzieher der Erde, und diese wiederum auch nur ein von den Mäusen in Auftrag gegebener Riesencomputer, der die letzte Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ beantworten soll.

BildDass die Menschen (nach Mäusen und Delfinen die drittintelligenteste Spezies auf der Erde) von den tiefgründigen Machenschaften der Mäuse nichts mitbekommen, ist dabei nur folgerichtig und von Seiten der Mäuse strategisch klug geplant: „Tatsächlich war nur eine Gattung auf dem Planeten intelligenter als die Delfine, und sie brachten ihre Zeit größtenteils in Verhaltensforschungslabors zu, wo sie in Laufrädern herumrannten und entsetzlich raffinierte und ausgeklügelte Experimente an den Menschen vornahmen. Die Tatsache, dass die Menschen auch hier wiederum die wahren Verhältnisse total verkannten, lag ganz in der Absicht dieser Wesen“. (155)

Wie auch immer man nun persönlich zu Mäusen stehen mag – eine zweifellos (über-)historische Verbindung zur Maus kann in dem menschlichen Versuch gesehen werden, ihrer habhaft zu werden: Die Mausefalle, über die heute der Spiegel berichtet, ist ein Artefakt dieser einseitigen Beziehung. Sie kann als Wissensobjekt die Geschichte „of mice and men“ belegen und Weiterlesen

„Wir sind die wahren Länder“: Tierkörper & Geografie

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Meines Wissens gebührt dem niederländisch-kanadischen Schriftsteller Michael Ondaatje die Ehre, im Bereich der Literatur zuerst auf die metaphorische Beziehung von Körper und Landschaft aufmerksam gemacht zu haben – in der bildenden Kunst gibt es sie freilich schon länger. In seinem „Englischen Patienten“ ist mir die Metapher erstmals begegnet, seitdem hat sie den einen oder anderen Gedanken begleitet und sich im Rückblick sowohl mit Blick auf ihre Plausibilität als auch hinsichtlich ihrer ästhetischen Überzeugungskraft bewährt.

„Ich möchte von all dem Spuren auf meinem Körper.
Wir sind die wahren Länder,
nicht die Grenzen auf den Karten,
mit den Namen mächtiger Männer.“

In Ondaatjes Texten wird die Landschaft des Körpers immer wieder zu einem zentralen Motiv, von dem her Begegnungen als Reisen in andere Länder, das Älterwerden als Ausschärfung geografischer Strukturen Weiterlesen

Marlen Haushofer: Die Wand

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Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ habe ich zum ersten Mal kurz vor dem Abitur gelesen. Er gehört zur kleinen Gruppe jener Bücher, die ich tatsächlich ohne Pause, ohne jede Unterbrechung am Stück durchgelesen habe. Ohne dass ich ihn damals bereits auf dem „tierphilosophischen Auge“ wahrgenommen hätte, ist er mir heute genau deswegen erneut in die Hand gefallen, und genau betrachtet lenkt bereits die dtv-Ausgabe, die Franz Marcs „Tierschicksale“ auf dem Cover trägt, den Blick in diese Richtung.

Die Erzählung setzt ein mit einem gefühlten Ende und einer bereits für sich genommen dramatischen Situation: Die Hauptfigur findet sich, nach einem Besuch bei ihrem Bruder in einer Jagdhütte in den Bergen, in einer Welt wieder, die gewissermaßen über Nacht Weiterlesen

Tiere im Weltall – Günter Kunerts „Laika“

…Und da mir dank der lyrischen Vorlieben meines SekII-Deutschkurses zur Zeit immer wieder auch Tiere in lyrischen Texten begegnen, sei hier noch ein kurzer Text von Günter Kunert aus dem Jahr 1963 erwähnt:

Laika

In einer Kugel aus Metall,
Dem besten, das wir besitzen,
Fliegt Tag für Tag ein toter Hund
Um unsre Erde
Als Warnung,
Daß so einmal kreisen könnte
Jahr für Jahr um die Sonne,
Beladen mit einer toten Menschheit,
Der Planet Erde,
Der beste, den wir besitzen.

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