Wassili Grossman: Tiergarten (1940-63)

Das zerbombte Berlin des zweiten Weltkriegs stellt den Schauplatz für Wassili Grossmans Erzählung Tiergarten dar – im dortigen Zoologischen Garten kümmert sich der Protagonist Ramm, ein in die Jahre gekommener Tierpfleger, aufopferungsvoll um die Zootiere, deren Leiden angesichts der Weltkriegsgräuel von der Außenwelt nur zu gern ausgeblendet wird.

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Mit schlaftrunkener Sicherheit sorgt er beständig und entgegen aller Kriegsgefahr für ihr Auskommen, Weiterlesen

Feldforschung: YouTube-Tiervideos

Wir sind es gewohnt, einigen Vermittlungsformen vom Wissen über Tiere zu misstrauen – sie erscheinen uns banal, naiv oder ganz einfach unwissenschaftlich. YouTube-Videos gehören zweifelsfrei dazu. Trotzdem würde ich meinen Ausflug in die Youtube-Tiervideowelt kaum in die Kategorie der ‚verschwendeten Zeit‘ einordnen wollen, im Gegenteil.

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Hier hat sich in den letzten Jahren eine kaum noch zu überblickende Masse an Videos angesammelt, die das Genre der Tiervideos beinahe neu begründen. Für die Tiere schaffen diese Videos einerseits ganz neue Probleme, so etwa bei den Plumploris, die durch ein einziges Youtube-Video zum Plumplori „Sonya“ vom Wild- zum Haustier avancierten. Weiterlesen

Eine kleine Rarität: „Ergötzliche Vogelkunde“ von Gottfried Stein (1955)

Vor einigen Tagen bekam ich einen kleinen Band in die Hände, der sich bei näherem Hinsehen trotz aller Altersspuren als wirklicher Hingucker herausstellte: Gottfried Steins „Ergötzliche Vogelkunde“ ist eine ausgesprochen liebevolle Sammlung von Miniaturen zu allen erdenklichen Vogelarten, die keinerlei wissenschaftlichen Wert beansprucht und einzig der persönlichen Tierbetrachtung entstammt und gewidmet ist. (Außerdem hat das ganze eine BLAUMEISE auf dem Cover, da setzt mein Verstand ohnehin aus 😉

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Philosophie en miniature: Tiere in Zitaten

„Was eine einzige Katze uns lehrt, lehren uns alle: So viel wie möglich nehmen, ohne zu geben, und dann ab in die Falle.“ (Robert Gernhardt) „Alle Natur ist so etwas wie externalisierte Psyche, nicht bloß Spiegel der Seele.“ (Paul Shepard) … Weiterlesen

Andreas Maier/Christine Büchner (2008): Bullau. Versuch über Natur, Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Vielleicht ist dem, was philosophisch so beladen mit Bedeutung ist wie der Naturbegriff, nur noch literarisch angemessen nachzukommen. Anders kann man es wohl nicht erklären, dass der „Versuch über Natur“ einerseits so knapp (keine 130 Seiten) und dennoch ausgesprochen feinsinnig ausfällt.

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Norbert Hoerster: Haben Tiere eine Würde? Grundfragen der Tierethik, München: Beck 2004.

Norbert Hoerster: Haben Tiere eine Würde? Grundfragen der Tierethik, München: Beck 2004.

Einige Beiträge in der tierethischen Diskussion machen es der/dem Leser/in sehr einfach, so auch Norbert Hoersters „Haben Tiere eine Würde? Grundfragen der Tierethik“ (2004). Den Widerwillen gegenüber einer ethisch fundierten Auseinandersetzung mit dem Thema, die das bloße Hin- und Herwälzen von Allgemeinplätzen vermeidet, ist seinem Beitrag durchwegs anzumerken, was bereits den noch halbwegs vorteilsfreien Lektüreeindruck trübt.

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Evolutionstheorie: Debatte um den Säugetier-Stammbaum

An den Namen „Darwin“ schließen sich meist eine Reihe von Assoziationen an, häufig auch die Vorstellung eines „Baums des Lebens“, der keine stufenartige Hierarchie der Lebewesen bzw. Arten kennt, sondern ein verzweigtes Verwandtschaftsgeflecht. Den Menschen und alle Tiere verbindet demnach eine naturgeschichtliche Kontinuität, zwischen Mensch und Tier gibt es keinen fundamentalen Unterschied hinsichtlich ihrer Vermögen, so die These von Darwins „Origin of Species“.

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Annie M. Musselman (2013): Finding trust, Heidelberg: Kehrer-Verlag.

„Wenn die Tiere immer die Beobachteten sind, musste die Tatsache, dass auch sie den Menschen anblicken können, in Vergessenheit geraten.“  (Elias Canetti)

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Die abendländische Moderne kennt eine tiefe Skepsis gegenüber dem Bild. Seit Platon steht die abbildende Kunst unter dem Verdacht, mit dem imago zugleich die imaginatio und damit das Nichtige, Kontingente zu befördern und so unterschwellig alle Wahrheitsansprüche zu unterlaufen. Weiterlesen

Paralysierte Paviane in Emmen (NL)

Seit einigen Tagen berichten die Medien (Spiegel Online, Süddeutsche, NDR) über die Paviane im Emmener Zoo (NL), die seit mehreren Tagen regungslos in eine Richtung starren und wie “wie hypnotisiert” in dieser Position verharren. Wild wird dabei über die Gründe spekuliert (von Ufo-Sichtungen über die Wahrnehmung von Erdbeben oder Zoobesucher mit Raubtier-Shirt-Aufdrucken), ohne dass jemand mal auf die Idee käme, dass die 112 Individuen starke und auf engstem Raum gehaltene Gruppe vielleicht ganz einfach die üblichen Zoo-Stereotypien zeigt wie so viele andere eingesperrte Tiere…. Weiterlesen