Haben Tiere Persönlichkeit? Zur Bedeutung von Individualität in tierethischen Fragen

Der Anthropomorphismus, d.h. die methodisch-unreflektierte Übertragung von menschlichen Merkmalen auf Tiere, gilt allgemein und sicher zu Recht als vielleicht schwerster, weil naivster Fehler in der philosophischen und auch biologischen Betrachtung von Tieren. Er mag auch erklären, warum die Thematik tierlicher Persönlichkeit kritisch beäugt wird, da hinter der Bezeichnung „Persönlichkeit“ ein vorschneller Schluss vom Menschen auf Tiere vorzuliegen scheint: Bestenfalls scheinen die meisten bereit, Tieren ein verniedlichendes Derivat von Persönlichkeit zuzugestehen, wie sich z.B. in der Bezeichnung tierlicher „Persönlichkeitchen“ zeigt.

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Sollte sich die Rede von tierlichen Persönlichkeiten, die vermutlich die Intuition eines jeden/einer jeden bestätigt, der/die häufiger und mit nur ein wenig Aufmerksamkeit mit Tieren befasst ist, dennoch als berechtigt und wissenschaftlich valide erweisen, hätte eine solche Annahme auch für tierphilosophische und genauer: tierethische Belange massive Auswirkungen: Weiterlesen

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Scobel: Tierethik

Scobel: Tierethik

Eine ungewöhnlich deutliche Sprache findet die aktuelle Scobel-Ausgabe zum Thema Tierethik, daher hier der kurze Hinweis auf den Link zur Sendung. Sie zeichnet ein ebenso düsteres wie realistisches Bild unseres Umgangs mit Tieren.

Der Angelprofessor

Der Angelprofessor

Manch akademisch qualifizierter Menschen könnte die Bezeichnung des „Angelprofessors“ als Diffamierung auffassen – nicht so Robert Arlinghaus, der inklusive Fisch-Poser-Foto im Spiegel Online-Interview freundlicherweise noch einmal die gängigen Platitüden zum Thema Schmerzempfindungen bei Fischen aufwärmt. Man beachte die sorgsame Verwendung des Advers „vermutlich“ an systematischen Gelenkstellen seiner Argumentation. Bleibt dennoch zu hoffen, dass er Recht behält mit der Annahme, dass Fische in der Tat nicht jene mentalen Schmerzen nachvollziehen können, die mich während der Lektüre dieses Interviews plagten…

+++ Eil-Appell gegen Schweinemast Haßleben

+++ Eil-Appell gegen Schweinemast Haßleben

Im brandenburgischen Haßleben will ein Investor eine Mega-Schweinemastanlage aus alten DDR-Zeiten für fast 37.000 Schweine wieder in Betrieb nehmen. Die Bürgerinitiative »Kontraindustrieschwein« konnte sich neun Jahre lang erfolgreich gegen die Genehmigung der Inbetriebnahme stemmen. Doch jetzt besteht die akute Gefahr einer Genehmigung. Unterzeichnen und verbreiten Sie deshalb bitte unseren Eil-Appell an die Umweltministerin Brandenburgs, Anita Tack. Sie kann die Genehmigung verhindern, wenn sie den entsprechenden Willen aufbringt.

Podcast: Tierrechte (B. Ladwig)

Podcast: Tierrechte (B. Ladwig)

Hier ein interessanter Link zu einem Podcast-Projekt der Uni Zürich – der Berliner Philosophie-Professor Bernd Ladwig erläutert dort die Thematik der Tierrechte und damit ein brisantes Thema, das häufig als Soll-Bruch-Stelle der Tierethik aufgefasst wird. Die häufigsten Einwände gegen die Etablierung von Tierrechten wie etwa das Problem der Gegenseitigkeit (demzufolge nur der/diejenige Rechte beanspruchen könnte, der/die auch fähig ist, Pflichten auszuüben) werden dabei angesprochen. Ladwig kommt zu dem Schluss, dass erst die juridische Berücksichtigung den angemessenen Ausdruck moralischer Berücksichtigungswürdigkeit darstellt.

Hund als Raubkatze: Chinesischer Zoo stellt Mastiff im Löwengehege aus

Es könnte so lustig sein, ginge es nicht letztlich auch hier um Tierquälerei: Im chinesischen Luohe wurde im örtlichen Zoo ein Tibet Mastiff als Löwe ausgestellt – zwar bestehen zwischen beiden Tierarten optisch entfernte Ähnlichkeiten, als der Hund jedoch bellte, anstatt zu brüllen, wurden einige Zoobesucher auf die Posse aufmerksam und witterten Betrug – nicht an den Tieren, sondern an sich selbst. Weiterlesen

Veggie-Day jetzt auch für Fische

Fast bin ich mir sicher, dass die biblische Vision vom vegetarischen Schöpfungsfrieden bei Jesaja (Wolf und Lamm und der strohverzehrende Löwe) anders gemeint war, als sie Fischindustrie hier aufgreift: So berichtet die Washington Post vom „Erfolg“ einiger Forscher, die für die Zucht der Raubfisch-Art des Offiziersbarsch nun einen Speiseplan für diesen Fisch auf die Beine gestellt haben, der eine vegetarische Kost in Form von Soja- und Weizenprotein sowie Taurin, diversen Aminosäuren und Speisefetten für die Fische vorsieht. Damit soll verhindert werden, dass der Offiziersbarsch durch seine natürliche Ernährungsweise die massiv-reduzierten Fischbestände weiterhin verknappt und somit in eine Nahrungsinteressens-Kollision mit dem Menschen gerät. Damit reagiert dieses Programm in ähnlicher Weise auf Phänomene des Nahrungsmittelmangels, wie zuvor die Grüne Gentechnik: Auch hier wird oberflächliche Symptombekämpfung betrieben, ohne den tatsächlichen Problemursachen ernsthaft begegnen zu wollen.

Norbert Hoerster: Haben Tiere eine Würde? Grundfragen der Tierethik, München: Beck 2004.

Norbert Hoerster: Haben Tiere eine Würde? Grundfragen der Tierethik, München: Beck 2004.

Einige Beiträge in der tierethischen Diskussion machen es der/dem Leser/in sehr einfach, so auch Norbert Hoersters „Haben Tiere eine Würde? Grundfragen der Tierethik“ (2004). Den Widerwillen gegenüber einer ethisch fundierten Auseinandersetzung mit dem Thema, die das bloße Hin- und Herwälzen von Allgemeinplätzen vermeidet, ist seinem Beitrag durchwegs anzumerken, was bereits den noch halbwegs vorteilsfreien Lektüreeindruck trübt.

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Depressive Zebrafische: Mentale Zustände bei Fischen & moralische Zustände beim Menschen

Seit einiger Zeit bereits treten Fische vermehrt als Wissensfiguren in den tierphilosophischen und tierethischen Diskursen (und in eher unangenehm-aufdringlicher Form in den pseudo-privaten Angelfotos eines verzweifelt um Testosteron-Nachweise ringenden Wladimir Putins) auf. Ungewöhnlich ist ersteres insofern, als Fischen bislang noch kein derart exklusiver Zugang zur Sphäre „klassischer“ Tiertypologien vergönnt war, wie er etwa Hunden, Katzen, Primaten oder Schweinen als den üblichen Referenz-Tieren in tierphilosophischen Debatten zukommt. Weiterlesen