Maria S. Cristoff (2012): Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen

Die Coverabbildung von Maria Sonia Cristoffs Erzählband „Unbehaust“, eine Umarmung zwischen einem Löwen und einem älteren Mann, weckt zunächst sentimentalische Gefühle und Erinnerungen an eine lang vergangene Gemeinschaft. Erst beim genaueren Hinschauen tritt die Metallkette hervor, an der der Löwe hängt, aber auch die ambivalente Körpersprache des Mannes scheint zunehmend weniger für jene unbedingte Nähe zu sprechen. Dennoch muss das Foto, bemessen an der ahnungsvollen Ankündigung des Untertitels regelrecht verharmlosend wirken: Denn das, „was Menschen mit Tieren machen“, dürfte selbst für den freischwebenden Alltagsverstand mit weit düsteren Bildern als jenem des Covers assoziiert werden.

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In ihrem seitemmäßig überschaubaren Band erzählt die Autorin von ihren Beobachtungen aus dem Zoo in Buenos Aires, dort sucht sie, dem titelgebenden Zustand Weiterlesen

Die Futterschale, oder: Vom Mehrwert der Unterscheidungsfähigkeit

Nach einer kurzen Meditation über folgendes, mir freundlicherweise gemailte Screenshot

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nutze ich die weihnachtliche Freizeit für einige kurze Reminiszenzen an unsere alte Bochumer Wohnung. Dort gab es die (zumindest für uns) sehr nette Möglichkeit, Futterschalen für die Vögel an den Fensterbrettern aufzustellen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hatte dies zur Folge, dass eine ganze Heerschar an verschiedensten Vögeln dort aktiv wurde. Ich gebe gern zu, dass mein Wissen über die örtliche Vogelwelt in den Zeiten vor der Futterschale (= v. F.) mit „diffus“ noch sehr wohlwollend umschrieben ist.

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Gut, eine Amsel oder Taube von einem Rotkehlchen zu unterscheiden, war machbar, jenseits dieser Weiterlesen

Das dog-shaming-Phänomen

Der Hunde wie auch Katzen-Beschämungsprozess ist in vollem Gange, seit längerem schon häufen sich die Seiten jener mitunter durchaus spaßigen Bilder, die „tierliches Fehlverhalten“ dokumentieren. Nicht selten wird dabei am digitalen Pranger auf bewährte Ikonografien zurückgegriffen, so etwa die dem Tier um den Hals gebundene Pappe mit einem die „Schandtat“ erklärenden Schriftzug.

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Der eine oder andere Lacher bleibt bei vielen Bildern nicht aus, zumal sie häufig mit einem liebevollen Augenzwinkern daherkommen. Das ganze Phänomen besitzt allerdings noch weitergehendes Deutungspotential. Die Hunde-Beschämung ist schließlich ein merkwürdiges Unterfangen, aus gleich mehreren Gründen. Man könnte anführen, dass Scham als Gefühl nicht verordnet werden kann. Das ist sicher richtig, trifft aber nur bedingt den Kern des Phänomens, schließlich weist die Blickstruktur des Bildes auf einen ganz anderen Adressaten als das jeweilige Tier selbst hin. Denkt man die Blickrichtung, die auch die Aussagerichtung abbilden dürfte, konsequent zu Ende, trifft sie Weiterlesen

Gastbeitrag von Stefan Dehn: Tierphilosophie – eine kleine Skizze

Die Schwierigkeit einer Tierphilosophie liegt in dem Desinteresse oder dem Mangel der Tiere philosophisch ihre Existenz zu befragen. Eine Philosophie ausgehend vom Menschen kann nicht in einer Tierphilosophie enden. Es ist eine Menschenphilosophie, die sich Gedanken über Tiere macht. Nur insofern ist jede Menschenphilosophie auch Tierphilosophie, da der Mensch mit jedem anderen Lebewesen seine Herkunft teilt, er ein Tier unter Tieren ist. Wer sich in der Tierphilosophie versucht, hat sich zur Aufgabe gemacht für jene Lebewesen zu sprechen, denen keine reflexive Sprache zur Verfügung steht. Das Aussagenergebnis bleibt ein Wagnis. Der Mensch hat genug damit zu tun über sich selbst Auskunft zu geben, den Tieren Absichten, Wünsche und Interessen zuzuschreiben, kann dazu führen an dem Tier als Tier vorbeizuschreiben. Wer den Tieren gerecht werden will, muss Raum für die Möglichkeit zulassen, dass nichts von den eigenen Gedanken das Wesen des Tieres trifft.

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Was die Tiere angeht, wollen es die Menschen schon immer gewusst haben, wie es um die Tiere steht. Von seelenlosen Automaten bei Descartes bis zu Haustieren, lustigen Spielgefährten der Menschen in der Jetztzeit, kämpft das Tier –metaphorisch gedacht – um sein Recht als Individuum mit der gleichen Würde wie sie sich der Mensch zuschreibt. Der Mensch hat eine Entwicklungsgeschichte durchschritten, die von Einzellern Weiterlesen

Vielseitigkeit der Quälerei

Vielseitigkeit der Quälerei

Allenthaben beweinen die Medien gerade den tödlichen Unfall eines „Vielseitigkeitsreiters“. Was individuell zweifellos tragisch ist, verrät in verallgemeinernder Perspektive jedoch schnell die Systematik hinter einem angeblichen Sport, der Tierquälerei immer schon billigend in Kauf genommen hat. Aus der augenblicklichen Tragödie … Weiterlesen