„Wir alle haben nur dies eine Leben.“ – Ferdinand von Schirachs Erinnerung an ein getötetes Reh

Einen literarischen Glücksgriff hat heute ZEIT Online in einer kurzen Textsammlung über Lehrer veröffentlicht, darunter ein kurzer Text des Schriftstellers Ferdinand v. Schirach. Dort beschreibt er, wie er als Kind ein sterbendes Reh entdeckt, dass in eine von ihm selbst gebaute Falle geraten war. Ein Pater seines Internats kommt hinzu und tötet das leidende Tier, es folgt die Beerdigung.

Wir waren müde, und wir schämten uns. Der Pater sagte nichts von einem Geschöpf Gottes, er stellte auch kein Kreuz auf, und er sprach kein Gebet. Er hatte noch Blut an seiner Soutane und an seinen Händen. Er sagte nur einen einzigen Satz an diesem Tag. „Wir alle“, sagte der Pater, „haben nur dieses eine Leben.“ Ich habe das nie wieder vergessen.

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