9. Eugen Roths „Tierleben“ – mit Schiller gelesen

„Geweiht dem großen Gott Thot,
Der Aff‘ einst aller Schrift gebot.
Auch spät‘ noch sehn wir seine Kraft
Ausstrahlen in die Wissenschaft:
Betrachten etwa wir genauer
Den großen greisen Schopenhauer,
So finden wir ihn, auch rein mähnlich,
Ein wenig Hamadryas-ähnlich.
Auch war, was man beweisen kann,
Der alte Herr ein Grobian.“

(Eugen Roth, Großes Tierleben, München: Hansa 1989, 26.)

Was für Hegel die Dialektik war, für Goethe die Beziehung von Systole und Diastole, für Schopenhauer der Wille, das war für Schiller das Gegensatzpaar von naiv und sentimentalisch. In ihm, so glaubte Schiller, habe er das Grundprinzip der Welt erkannt, von dem her sich potentiell alle Weltsachverhalte deuten ließen. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass die Schillersche Welt, getragen von einem noch ungebrochenen Optimismus, vor allem jene der Kunst war, die den profanen Alltag der Menschen überhöhen und so zu einer Humanisierung der gesamten Menschheit beitragen sollte. Da Schiller seine Gegenwart kulturpessimistisch als durchaus überwindenswert ansah, führten in seinen Augen lediglich zwei Wege aus jener Kultur des Ganzheitsverlusts heraus: Die Weiterlesen

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