Tierphilosophische Entdeckungen: Der Turnspit dog

Mein Interesse an einer theoretischen Aufarbeitung von Tieren als Denkfiguren, wie sie beispielsweise von Benjamin Bühler und Stefan Rieger in Angriff genommen wurde, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dazu wurde ich neulich auch auf eine Tierart aufmerksam gemacht, die besonders deutlich macht, wie Tierleben und menschliche Gewohnheit miteinander verwoben sind: Der sog. turnspit dog (Spießdrehhund) wurde im 16. Jahrhundert und darüber hinaus als „Motor“ von Tretmühlen in Küchen verwendet und gezüchtet – ähnlich den Hamsterrädern mussten die Tiere dort über Stunden in Drehkäfigen laufen, um die Bratspieße in den Küchen in Bewegung zu halten.

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Remarks on a Tour to North and South Wales, published in 1800

Mit der Modernisierung dieser Technik starb auch der Turnspit dog aus. Da er als Haushund wenig beliebt war und einzig als billiger Motorersatz verwendet wurde, liegen technische Modernisierung und das Aussterben der Hunderasse zeitlich unmittelbar beieinander.

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Gilbert Simondon (2011): Tier und Mensch. Zwei Vorlesungen

 

BildVor zwei Jahren sind unter dem Titel „Tier und Mensch“ Vorlesungen des französischen Psychologen Gilbert Simondon veröffentlicht worden. Weiterlesen