Auf Schopenhauers Spuren: Ursula Wolf: Das Tier in der Moral (1990)

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In einer Zeit, in der das Thema „Tierethik“ einen erfreuliche Menge an Beachtung erfährt, läuft man gelegentlich Gefahr, die eigentlichen Klassiker und Vordenker zu vergessen, die die heute geführte Debatte überhaupt erst mit angestoßen haben.

Zu diesen Urgesteinen zählt Ursula Wolf zweifelsohne: Immer wieder hat sie sich in den letzten Jahren mit fundierten Beiträgen zu Wort gemeldet, und auch neuere Erscheinungen (z.B. Ethik der Mensch-Tier-Beziehung) werden in der Runde der Diskutierenden dankbar aufgenommen. In ihrem 1990 erschienenen, 2004 neu aufgelegten Standardwerk „Das Tier in der Moral“ wählt Wolf einen ebenso eleganten wie überzeugenden Angang: Sie setzt einerseits genau dort an, wo auch philosophisch-fachfremde Leser/innen auf unmittelbare Kontakt zur Tierwelt zurückgreifen können, nämlich in der Alltagserfahrung einer höchst widersprüchlichen Doppelstandard-Theorie unseres Umgangs mit Tieren. Argumentativ abgesichert, aber auch bewegend schildert sie die gern unter den Teppich gekehrten Grausamkeiten, die die typischen Formen der Tierhaltung ausmachen. Bei aller Emotionalität der Debatte enthält sie sich dabei jeglicher Form der reißerischen Darstellung. Konsequent dekonstruiert sie Scheinrechtfertigungen etwa in der Massentierhaltung, wie etwa die Annahmen, das tierliche Leiden sei Weiterlesen

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