8. Das Zootier als „lebendes Monument des eigenen Untergangs“: John Bergers Blickphilosophie

ImageWarum sehen wir Tiere an?, fragt John Berger in einem der bekanntesten tierphilosophischen Texte. Dass damit keine Bagatelle angesprochen wird, zeigt sich, sobald man selbst einen eigenen Antwortversuch unternimmt: Warum also sehen wir Tiere an? Tun wir das überhaupt noch, müsste man wohl vorweg fragen, denn es scheint keinesfalls mehr selbstverständlich, dass wir Tiere wirklich noch in einem Sinne anschauen, der berechtigterweise als „Blick“, als „Ansehen“ bezeichnet werden könnte. Wir begegnen ihnen zweifellos häufig, aber es hat den Anschein, dass diese Tiere unserer Umgebung kaum noch als eigenständige Wesen wahrgenommen werden. Die mediale Präsenz von Tieren scheint zwar ungebrochen, als Comics, Plüschfiguren, künstlerische Darstellungen und beliebig codierbare Werbeträger sind sie tatsächlich omnipräsent. Diese Feststellung muss jedoch überraschen, setzt man sie in Korrelation zu einer weiteren Entwicklung: Ihre Anwesenheit als Bild scheint sich umgekehrt proportional zu ihrer real fassbaren sozialen Nähe zu verhalten: Sie verschwinden im Alltag oder unterliegen, abgepackt als steriles und nicht mehr als Tier zu erkennendes Nahrungsmittel im Supermarkt, vielfältigen Strategien Weiterlesen

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Wassili Grossman: Tiergarten (1940-63)

Das zerbombte Berlin des zweiten Weltkriegs stellt den Schauplatz für Wassili Grossmans Erzählung Tiergarten dar – im dortigen Zoologischen Garten kümmert sich der Protagonist Ramm, ein in die Jahre gekommener Tierpfleger, aufopferungsvoll um die Zootiere, deren Leiden angesichts der Weltkriegsgräuel von der Außenwelt nur zu gern ausgeblendet wird.

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Mit schlaftrunkener Sicherheit sorgt er beständig und entgegen aller Kriegsgefahr für ihr Auskommen, Weiterlesen

Hund als Raubkatze: Chinesischer Zoo stellt Mastiff im Löwengehege aus

Es könnte so lustig sein, ginge es nicht letztlich auch hier um Tierquälerei: Im chinesischen Luohe wurde im örtlichen Zoo ein Tibet Mastiff als Löwe ausgestellt – zwar bestehen zwischen beiden Tierarten optisch entfernte Ähnlichkeiten, als der Hund jedoch bellte, anstatt zu brüllen, wurden einige Zoobesucher auf die Posse aufmerksam und witterten Betrug – nicht an den Tieren, sondern an sich selbst. Weiterlesen

Ein guter Tag: Berliner Zoodirektor vor die Tür gesetzt

Gelegentlich gibt es immer wieder mal auch gute Nachrichten, so auch heute: Berlins Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz darf nach unzähligen Eskapaden nun endlich seinen (übergroßen) Hut nehmen. Blaszkiewitz, nicht nur bekannt für einschlägige fachwissenschaftliche Veröffentlichungen („Mit Oma Charlotte durch den Zoo Berlin„), hat über Jahre an einem durchaus problematischen Ruf gearbeitet. Weiterlesen

Paralysierte Paviane in Emmen (NL)

Seit einigen Tagen berichten die Medien (Spiegel Online, Süddeutsche, NDR) über die Paviane im Emmener Zoo (NL), die seit mehreren Tagen regungslos in eine Richtung starren und wie “wie hypnotisiert” in dieser Position verharren. Wild wird dabei über die Gründe spekuliert (von Ufo-Sichtungen über die Wahrnehmung von Erdbeben oder Zoobesucher mit Raubtier-Shirt-Aufdrucken), ohne dass jemand mal auf die Idee käme, dass die 112 Individuen starke und auf engstem Raum gehaltene Gruppe vielleicht ganz einfach die üblichen Zoo-Stereotypien zeigt wie so viele andere eingesperrte Tiere…. Weiterlesen